Globalisierung

Von Eisenherz

Attac sagt, die Verursacher (und Profiteure) der Krise sollen zahlen. Ja, finde ich auch, nur, geht das überhaupt? Selbst wenn es ginge, ist es ziemlich rückwärts gewandt. Aber was kann man tun, damit die Globalkrisen nicht immer wieder kehren?

Published in: on 12. September 2010 at 20:30  Kommentare (5)  

5 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Zuletzt war die gesamte Wirtschaft betroffen.
    “Ursache” war die Krise der Bankensysteme und das “Einfrieren” der Gelder.
    Deren Problem war, dass Immobilienkredite platzten, was sie selbst zu sehr billigend in Kauf genommen haben.
    Möglich war das ganze “Geschäft” aber nur, weil die Zinsen nach der Internetblase im Jahr 2000 in den Staaten unmöglich niedrig waren.
    Die Entscheidung dieser “zu verbietenden” niedrigen Zinsen hat aber einzig und allein Alan Greenspan zu verantworten.

    Natürlich wird er wie auch die Politiker sich immr verteidigen mit den Worten “es gibt/gab keine Alternative”. Diese Worthülse, unter anderem von Merkel gerne genutzt, ist ein billiger Trick, um das Denken des Gegenüber auszuschalten. Es gab aber sehr wohl Alternativen, man muss nur mal Nachdenken. Alan hätte die Zinsen damals nicht so sehr senken brauchen. Vielleicht hat er Recht und es hätte damals andere schlimme Konsequenzen gehabt, aber DAS WAR z.B. EINE Alternative. Es gibt auch viele Andere, wenn man sein Denken nicht beschränkt.

    Also könnte man sagen, er allein war Verursacher! Nun soll er auch allein zahlen! Aber das KANN er nicht, auch wenn es wollte.

    Ich unterstelle ihm, dass er Gutes wollte, aber eben sein Handeln nicht vollumfänglich überblickte. Nun könnte man sagen, es gab damals Leute, die das Folgeproblem besser als Alan vorhergesehen und benannt hatten, diese hätten besser seinen Job innehaben sollen.

    Nur: vorher konnte kaum jemand beurteilen, wer Recht hat und die richtige Person zum richtigen Zeitpunkt auf den richtigen Stuhl setzen. So etwas wird auch niemals immer sicher gelingen. Es wird immer wichtige Entscheidungen geben und Menschen werden Fehler machen und sie falsch treffen.

    Es ist aber ein Problem, wenn ein einziger Mensch in einem globalisierten Wirtschaftssystem Entscheidungen treffen kann und damit die gesamte Welt reinreissen kann. Es gibt dann keine natürliche Diversität mehr.

    Wenn die Staaten echt wirtschaftlich unabhängig und nicht eng vernetzt wären, würden quasi mehrere “wirtschaftliche Lebewesen” nebeneinander existieren, miteinander konkurrieren, könnten sich aber in der Not auch gegenseitig helfen.

    Wenn hingegen alle Organismen zu einem globalen Superorganismus “zusammengenäht” werden, wirkt sich jeder Fehler überall aus. Es würde auch niemand auf die Idee kommen, die Blutbahnen aller Menschen auf der Welt zu einem Superorganismus zusammennähen, sodass jeder Virus und jede Krankheit überall hinkommt.

    Es ist gut, wenn Diversität und Konkurrenz existiert und es ist kein Zufall, dass die Natur so funktioniert und nicht anders. Der europäische Gedanke von de Gaulle und Adenauer hat möglicherweise vieles Gutes und sogar tatsächlich Kriege verhindert, aber unreflektierte, unkritische Globalisierung ist auch gefährlich!

  2. Das ist wieder ein schwieriges Thema, musste erst einmal schauen, was Attac ist :-(

    “Der europäische Gedanke von de Gaulle und Adenauer…”
    hat vermutlich mit dem, was daraus geworden ist, nicht mehr viel zu tun.
    Ein paar Gedankensplitter:
    - Gemeinschaftliche fachliche Kompetenz und Verantwortungsbewusstsein auf lange Sicht – nicht nur von der “Hand in den Mund” sind bitter nötig
    - Heute gehen die meisten Debatten um globale Probleme ergebnislos aus, weil jeder (jedes Land) erst einmal seine Schäfchen ins Trockene bringt.
    - Frau A.M. und Co. schalten gern auch ihr eigenes Denken aus, um die Lobby der Wirtschaft nicht zu verlieren.
    - Der Grad der Verdummung des Volkes/der Völker ist um ein vielfaches gestiegen bzw. wir lassen uns immer mehr verdummen.

    Heinrich Heine :
    “Gott weiß, ich wäre gern Bankier geworden,
    es war mein Herzenswunsch.
    Ich habe früh eingesehen, daß den Bankiers einmal
    die Weltherrschaft anheimfalle.”

    Gute Nacht

  3. Wenn diese Computer-Programme wirklich gute Entscheidungen schneller als Menschen treffen, dann werden sie die Menschen ersetzen, weltweit!, aber damit auch die Diversität der Entscheidungen und Vernunft.

    Solche Programme erfordern viel Expertise, es wird nur wenige Anbieter geben. Es wird ein Marktführer entstehen, wenn nicht gar ein Monopol.

    Und eines Tages wird das System auch mal ein dramatische Fehlentscheidung treffen, denn nichts ist perfekt.

    Der nächste Blitzcrash auf Basis einer Irritation oder wahren Begebenheiten durch Gleichschaltung aller Handelnden ist schon vorprogrammiert:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,719085,00.html

  4. Wenn man Fusionen vornimmt und redundante Strukturen beseitigt, dann steigt die “Effizienz”: “Synergieeffekte” bzw. zumindest erhoffte Milliardeneinsparungen. Zunehmend größere/globalere und “effizientere” “Wirtschaftsorganismen” entstehen. Dasselbe gilt auch für nicht wirtschaftlich motivierte Organisationen, z.B. aktuelle “Optimierungen” von Sondereinsatzkommandos (im Rahmen der Terrorabwehr).

    Aber weniger Redundanz bedeutet auch weniger Sicherheit und mehr Risiko. Was wäre, wenn wir nur ein Auge statt zwei hätten und den Verlust eines Augenlichtes erleiden würden? Wir wären sofort völlig blind. Mit redundanten Augen, Händen, Ohren, Füßen, Nieren, Lungenflügel, doppelten LKW-Reifen passiert das nicht.

    Wie löst Wikileaks die aktuellen Versuche der USA Wikileaks lahmzulegen? Durch Spiegelung! Durch Redundanz. Wenn ein Schlangenkopf abgeschlagen wird, wachsen zwei nach.

    Wikileaks-Sympathisantenangriffe legen derzeit die Websites internationaler Unternehmen auf einfachste Weise lahm, z.T. Internetunternehmen. Die sind dann geschäftsunfähig.

    Sabotage redundanzfreier Systeme ist einfach. Redundanz ist wertvoll, globale “Effizienz” wird riskant und kann für die Systeme und Abhängigen tödlich sein.

  5. Ich sympathisiere mit avaaz, aber zunächst geht es um rechtsstaatliche Prinzipien und nicht um demokratische. Ich bin verwundert, dass die Aktivisten das in ihrer EMail verwechseln. So kann man nicht Ernst genommen werden.

    Die Angriffe des amerikanischen Staates gegen wikileaks sind motiviert mit “Geheimnis-/Landesverrat” eines sehr patriotischen Landes. Aber auch dann gibt es im Rechtsstaat kein Recht zur Selbstjustiz und zum Lynchen und das ist es, was die Angreifer von Wikileaks in diesem ersten derartig großen Informationskrieg tun und dafür sehr wahrscheinlich nicht belangt werden. Wieso nicht? Das ist definitiv Rechtsbruch, daran gibt es kein Zweifel, es gibt kein Gerichtsverfahren, es wird einfach angegriffen und damit ein Krieg angezettelt. Zum Glück werden die Menschen noch nicht zu Hauf physisch angegriffen, aber auch die realen Übergriffversuche auf den Gründer bleiben nicht aus, wenn schon mit Rechtsstaatsmitteln.

    Wieso werden nur 16-jährige selbsternannte “Freiheitskämpfer” physisch belangt, wenn sie Unternehmen angreifen? Ist der Schutz von Unternehmen jetzt schon größer als der Schutz der Rechtsstaatlichkeit und der Pressefreiheit?

    Ob Wikileaks ein Gesetz gebrochen hat, daran gibt es erhebliche Zweifel, oder einfach nur die angeblich hochgehaltene (Presse-)Freiheit in einem “freien” Land genutzt hat, dass sogar die Freiheit seiner Bürger zum persönlichen Besitz von Waffen hoch hält und damit das Gewaltmonopol bricht und Selbstverteidigung mit physischen Waffen erlaubt.


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